Hessische Biografie
Weitere Informationen
GND-Nummer
118734563
Moller, Georg Salomon Hermann [ID = 1682]
- * 22.1.1784 Diepholz, † 13.3.1852 Darmstadt, Begräbnisort: Darmstadt Alter Friedhof
Baurat – Architekt, Stadtplaner - Wirken ↑
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Werdegang:
- Besuch des Gymnasiums in Minden
- ab 1800 berufliche Ausbildung in Hannover im Baubüro von Diederich Christian Ludwig Witting
- 1802-1807 als Stipendiat der hannoverschen Regierung Studium in Karlsruhe bei Friedrich Weinbrenner
- 1807-1810 Studienreise nach Italien
- 10.2.1810 Hofbaumeister in Darmstadt
- 14.5.1810 Adjunkt des Obristen und Oberbaudirektors Johann Helfrich Müller
- 1.7.1810 Baurat
- 26.3.1811 Ober-Baurat
- 1818 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin
- 14.7.1821 Wirklicher Rat bei der Oberfinanzkammer
- 1822-1844 Baurat und Mitglied der Oberbaudirektion
- 1831-1852 Hofbaudirektor
- 23.4.1839 Geheimer Oberbaurat
- 1844-1852 Direktor der Oberbaudirektion
- 1835 Guelphen-Orden
- 1844 Kommandeurkreuz 2. Klasse des Ludewigs-Ordens
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Netzwerk:
- Witting, Diederich Christian Ludwig <Lehrer>, GND, 1759–1837, Baumeister und Stadtplaner in Hannover
- Weinbrenner, Friedrich <Lehrer>, GND, * Karlsruhe 24.11.1766, † Karlsruhe 1.3.1826, Architekt, Stadtplaner und Baumeister des Klassizismus
- Ritgen, Josef Maria Hugo* von <Schüler>, (1811-1889) Architekt
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Werke:
- Mainflingen, Entwurf zum Neubau der Pfarrkirche 1818
- Darmstadt, Hoftheater 1818-1820
- Darmstadt, Kath. St. Ludwigskirche 1822-1827
- Wiesbaden, Schloss 1837-1842
- Darmstadt, Ludwigssäule/Denkmal für Großherzog Ludewig I. 1844
- Denkmäler der deutschen Baukunst (3 Bde.) Leipzig 1831
- Beiträge zu der Lehre von den Constructionen (7 Bde.) Leipzig 1844
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Lebensorte:
- Minden; Hannover; Karlsruhe; Darmstadt
- Familie ↑
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Vater:
Moller, Levin Adolf, 1757–1825, Kaiserlicher Notar und Hofgerichtsadvokat in Celle, 1782 Advokat und Prokurator in Diepholz, 1803 Amtsnotar in Diepholz, 1813 in Nienburg, Stadtkommissarius und Magistratsrat, Sohn des Johann Friedrich* Moller, 1711–1772, 1743 Bürgermeister der Stadt Hameln, und der Anna Catharina* Gerber, 1720–1758
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Mutter:
Castelmur, Friederike Elisabeth* Sophie* von, 1761–1795, Tochter des Augustin von Castelmur, 1723–1773, Kaiserlicher Privilegierter Kauf- und Handelsherr in Sils-Baseglia, Bankier und Niederlagsverwandter in Wien, und der Elisabeth Partz, 1739–1769
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Partner:
- Hessemer, Amalie, (⚭ 2.3.1811) 1780–1839, ⚭ I. 3.8.1802 Ludwig Merck, Hauptmann
- Hille, Caroline Magdalene (gen. Helene*) Friederike Luise Sophie, 1810–1873, Tochter des Friedrich* Wilhelm Hille, 1783–1854, Hessischer Landgerichtsrat in Marburg, und der Caroline Follenius, 1791–1856
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Verwandte:
- Merck, Caroline Louise Amalie Sophie, geb. Moller <Tochter>, 1841–1909, verheiratet Darmstadt 15.7.1861 mit Christoph Wilhelm Ludwig Merck, 1833–1899, Fabrikant und Teilhaber der E. Merck, Geheimer Kommerzienrat
- Wedekind, Georg* Christian Gottlieb Freiherr von <Onkel>
- Nachweise ↑
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Quellen:
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Literatur:
- Ulrich Maximilian Schumann (Hrsg.), Georg Moller. Werk & Netzwerk, Bad Saulgau 2022
- Wiesbaden. Das Stadtlexikon, hrsg. vom Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden, Darmstadt 2017, S. 628 (Rolf Faber)
- Darmstädter Ehrengräber. Biografien und Bewertungen, hrsg. von der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Darmstadt 2016, S. 154-157
- Werkbundakademie Darmstadt (Hrsg.), Georg Moller (1784–1852). Bauten und Projekte des großherzoglichen Baumeisters in Hessen-Darmstadt, Berlin 2015
- Stadtlexikon Darmstadt, Stuttgart 2006, S. 638 (Abb.) (Peter Engels)
- Georg Moller. Symposium aus Anlass seines 150. Todestages am 13. März 2002 im Hessischen Landtag in Wiesbaden, Hrsg.: Hessischer Landtag. Red.: Norbert Kartmann. Hessen / Landtag Wiesbaden, 2004 (Hessische Schriften zum Föderalismus und Landesparlamentarismus 10);
- Neue deutsche Biographie, Bd. 17, Berlin 1994, S. 742-744 (Reinhard Wegner)
- Renkhoff, Nassauische Biographie, 2. Aufl., Wiesbaden 1992, S. 524, Nr. 2906
- Friedrich Wilhelm Euler, Die Ahnen von Caroline Merck, geb. Moller, in: Mercksche Familienzeitschrift 1975, S. 91-332
- Sulpiz Boisserée, Der Briefwechsel mit Moller, Schinkel und Zwirner. Unter Verwendung der Vorarbeiten von Elisabeth Christern und Herbert Rode hrsg. von Arnold Wolff, Köln 2008
- Darmstadt in der Zeit des Klassizismus und der Romantik, Red. Bernd Krimmel, Ausst-Kat., Darmstadt 1979
- Ulrich Thieme (Hrsg.) Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 25, 1931 S. 44-46
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Bildquelle:
Die Chronik Hessens, S. 209
- Leben ↑
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Moller begann seine Ausbildung als Schüler von Witting (1800–1802) und Weinbrenner (1802–1807), der ihn am nachhaltigsten beeinflusste. Es folgte ein mehrjähriger Studienaufenthalt in Rom, wo er Anschluss an die deutsche Künstlerkolonie fand. Nach seiner Rückkehr nach Darmstadt erhielt er im Februar 1810 eine Anstellung als Hofbaumeister des Großherzogtums Hessen-Darmstadt, der wenige Monate später die Ernennung zum Baurat folgte. Im Jahr 1812 wurde er Oberbaurat, 1821 Rat bei der Oberfinanzkammer, 1839 Geheimer Oberbaurat und 1844 schließlich Oberbaudirektor und stand damit an der Spitze des hessischen Staatsbauwesens. Neben seiner Tätigkeit als Architekt tat er sich auch als Städteplaner und Architekturtheoretiker hervor. Mit seinen „Denkmälern der deutschen Baukunst, Beiträge zur Kenntnis der deutschen Baukunst des Mittelalters“ schuf er eine wichtige Grundlage für die Auseinandersetzung mit den architektonischen Kunstwerken einer vergangenen Epoche. Die Dokumentation dieser steinernen Zeitzeugen machte ihn schließlich zu einem vehementen Kämpfer für die Erhaltung dieser Bauten. Mit Unterstützung des Großherzogs Ludwig I. erwirkte er 1818 für Hessen die erste Denkmalschutzverordnung auf deutschem Boden. Obwohl Moller als „Meister, als der beste Kenner der alten Style“ galt – seine Zeichnungen des Kölner Doms gehören zu den großen Leistungen auf dem Gebiet der Architekturzeichnung –, stand er der neogotischen Bewegung kritisch gegenüber. Er sah die gotische Stilrichtung als Resultat ihrer Zeit, die bewundert und nachgeahmt werden, aber nicht geschaffen werden könne. Die griechische Baukunst dagegen erschien ihm „als Frucht des klaren Verstandes und eines richtigen Schönheitssinnes“. So blieb er der klassizistischen Stilrichtung treu, jedoch zeigt die sog. Bamberger Mappe mit einem Konvolut neogotischer Entwürfe, daß er sich nicht nur als Architekturtheoretiker, sondern in einem beachtlichen Ausmaß auch schöpferisch mit diesem Stil auseinandersetzte. Möglicherweise ist es der Überlieferungssituation und fehlenden Möglichkeiten zur Realisierung seiner Pläne geschuldet, daß uns sein klassizistisches Werk so dominant vor Augen steht. Zu seinen bedeutenden Arbeiten zählen: die katholische Ludwigskirche in Darmstadt, das Hoftheater in Darmstadt, das Stadttheater in Mainz, das Stadtschloß in Wiesbaden, das Haus der Freimaurerloge in Darmstadt und die Umbauentwürfe für das Bad Homburger und das Meisenheimer Schloß sowie die Umgestaltung von Schloß Johannisberg.
Maren-Christine Härtel
(Text übernommen aus Bestandskatalog der Architekturzeichnungen des 17.–20. Jahrhunderts in der Graphischen Sammlung der Museumslandschaft Hessen Kassel; URL: http://architekturzeichnungen.museum-kassel.de/0/33318)
- Zitierweise ↑
- „Moller, Georg Salomon Hermann“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/118734563> (Stand: 10.2.2025)