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DDR-Hymne - ein gestohlenes Lied?

aus DER SPIEGEL 11/1977
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein gutes Vierteljahrhundert haben DDR-Bürger die Weise ("Auferstanden aus Ruinen") als Nationalhymne intoniert; jetzt möchte ihnen ein Satzburger das Singen verbieten. Schlagerkomponist Peter Kreuder, 71, will von der UN-Urheberrechtskommission bestätigt haben, daß die Noten zur Hymne mit seinem Filmsong »Good bye, Johnny« aus dem Jahr 1936 identisch sind. Rund 200 000 Tantiemen-Mark, die derzeit auf Sperrkonten ruhen, würden dann für Kreuder frei. Der 1962 gestorbene DDR-Komponist Hanns Eisler, der offiziell noch als Urheber der Hymne gilt, habe -so Kreuder -- in den zwanziger Jahren mit ihm zusammen an der Münchener Akademie für Tonkunst studiert, und schon damals habe ihr gemeinsamer Lehrer Hugo Roehr immer gesagt: »Gut stehlen ist besser als schlecht komponieren.« Vielleicht haben beide den guten Rat befolgt: Das umstrittene Lied stimmt nämlich weitgehend mit einem Übungswalzer überein, den der Mannheimer Musikpädagoge Professor Karl Zuschneid (1854 bis 1926) vermutlich um 1900 komponiert und in seiner »Theoretisch-praktischen Klavierschule« veröffentlicht hatte. Good bye, Money?

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