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Ausland

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist zu einem Besuch in Budapest eingetroffen. Israelische Medien berichteten über seine Ankunft heute Früh. Es ist die erste Reise Netanjahus nach Europa, seit der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) im vergangenen November wegen des Vorgehens im Gaza-Krieg einen Haftbefehl gegen ihn verhängt hat.

Er folgte einer Einladung seines ungarischen Amtskollegen Viktor Orban, der sich an die Bestimmungen des Gerichtshofs nicht gebunden fühlt. Netanjahus Rückreise ist am Sonntag vorgesehen.

Orban tat Haftbefehl als unsinnig ab

Eine Festnahme droht dem israelischen Regierungschef in Ungarn nicht. Orban hatte die Einladung an Netanjahu demonstrativ nach Erlass des Haftbefehls ausgesprochen und diesen als kontraproduktiv und unsinnig abgetan – dabei hat Ungarn das Statut des IStGH selbst ratifiziert.

Kritikerinnen und Kritiker werfen dem mit autoritären Methoden regierenden Rechtspopulisten Orban vor, grundlegende Prinzipien von Demokratie und Rechtsstaat in Ungarn ausgehöhlt zu haben und diesen Kurs trotz aller Proteste unbeirrt weiterzuverfolgen.

Israelischen Medienberichten zufolge wird Netanjahu neben Orban auch den ungarischen Staatspräsidenten Tamas Sulyok treffen. Einzelheiten zu dem Besuch wurden – entgegen den Gepflogenheiten – vorher nicht bekanntgegeben. Auch auf Anfrage äußerte sich das Pressebüro des ungarischen Ministerpräsidenten nicht dazu. Der heikle Charakter des Besuchs angesichts des Haftbefehls gegen Netanjahu liegt auf der Hand.

Israel weitet seine Militärpräsenz im Gazastreifen aus. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte vor einer umstrittenen Auslandsreise nach Ungarn an, dass die Armee in einen Korridor vorrücke, der die Städte Rafah und Chan Junis im Süden des Küstengebiets trennt. „Wir erobern die Morag-Route“, sagte der israelische Regierungschef in einer Videoansprache gestern.

Morag war eine von mehreren israelischen Siedlungen im Süden des Palästinensergebiets, die Israel im Jahr 2005 geräumt hatte.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte zuvor mitgeteilt, die Armee werde umfangreiche Gebiete im Gazastreifen erobern, die zu israelischen „Sicherheitszonen“ werden sollen. Die Zeitung „Jerusalem Post“ meldete unter Berufung auf Kreise des Verteidigungsapparats, Israels Armee kontrolliere inzwischen fast 30 Prozent des Gazastreifens.

Israel verstärkt Druck auf Hamas bis zur Geiselfreilassung

„Das Einzige, was unseren weiteren Vormarsch aufhalten kann, ist die Freilassung unserer Geiseln“, sagte Israels Generalstabschef Ejal Zamir Armeeangaben zufolge. Nach israelischen Informationen haben palästinensische Terroristen im Gazastreifen noch 24 lebende Geiseln in ihrer Gewalt, hinzu kommen die sterblichen Überreste Dutzender anderer Geiseln.

Die von den Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde meldete indes mehr als 70 Tote durch israelische Einsätze. Die Angaben unterscheiden nicht zwischen Zivilisten und Kombattanten und lassen sich kaum unabhängig überprüfen.

Proteste gegen Hamas und Krieg im Gazastreifen

In Beit Lahia im Norden des Palästinensergebiets protestierten überdies wieder Hunderte Menschen gegen die Herrschaft der Hamas und den Gaza-Krieg, wie Anwohner der dpa berichteten. Die Demonstrierenden, darunter Kinder und Frauen, hätten die Islamistenorganisation zum Rückzug aufgefordert.

Der per internationalem Haftbefehl gesuchte bosnische Serbenführer Milorad Dodik ist eigenen Angaben zufolge nach einem Besuch in Moskau nach Bosnien zurückgekehrt. „Ich grüße alle mit der Bestätigung: Ich bin angekommen“, sagte er gestern in einem Interview mit dem Fernsehsender RTRS in Banja Luka.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte Dodik zuvor in Moskau empfangen. Der Kreml veröffentlichte am Dienstag ein Video, in dem zu sehen war, wie die beiden einander die Hände schütteln und sich an einen Tisch setzen.

Der bosnische Staatsgerichtshof hatte in der vergangenen Woche einen internationalen Haftbefehl gegen Dodik ausgestellt. Zwei Wochen zuvor hatte die Staatsanwaltschaft die Festnahme des Präsidenten der überwiegend von bosnischen Serben bewohnten Republika Srpska (RS) angeordnet.

Dodik hatte zuvor einseitig die Zuständigkeit von Justiz und Polizei des bosnischen Zentralstaates für die Republika Srpska für beendet erklärt, obwohl die RS Teil von Bosnien und Herzegowina ist.

Nach dem verheerenden Erdbeben in Myanmar hat die in dem südostasiatischen Land herrschende Militärjunta eine temporäre Waffenruhe verkündet. Sie werde von gestern bis zum 22. April dauern, erklärte die Junta. Ziel sei es, „die Hilfe und den Wiederaufbau zu beschleunigen und Frieden und Stabilität zu erhalten“.

Ein Bündnis aus drei mächtigen Rebellengruppen hatte bereits am Vortag einseitig eine einmonatige Waffenruhe angekündigt, um die Katastrophenhilfe nach dem Erdbeben am Freitag mit mehr als 2.800 Toten zu erleichtern. Die Militärjunta blieb zunächst unnachgiebig, seit dem Erdbeben gab es etliche Berichte über Luftangriffe der Regierungstruppen.

International sorgte das Vorgehen der Militärregierung für Kritik. Hilfsorganisationen klagten, dass die Hilfs- und Bergungseinsätze durch die andauernden bewaffneten Konflikte in dem Bürgerkriegsland erschwert würden.

2021 war das Militär in Myanmar durch einen Putsch an die Macht gekommen und kämpft seitdem gegen bewaffnete ethnische und prodemokratische Gruppen. Bereits vor dem Erdbeben waren viele Menschen in Myanmar von Hunger bedroht, mindestens 3,5 Millionen Menschen wurden nach UNO-Angaben durch den Bürgerkrieg zu Vertriebenen.

Inland

Angesichts der budgetären Probleme der Gemeinden werden die Rufe nach einer Reform der Grundsteuer wieder laut. Eine rückwirkende Anpassung an die Inflation würde laut Gemeindebund rund 380 Millionen Euro Mehreinnahmen bringen. Das gewerkschaftsnahe Momentum Institut plädiert für eine größere Reform mit einer Umstellung auf eine Bodensteuer nach dem Vorbild Baden-Württembergs.

Damit könnten gemäß einer Momentum-Berechnung bis zu 2,7 Mrd. zusätzlich ins Budget gespült werden. Die Grundsteuer ist eine wesentliche Einnahmequelle der Gemeinden. Jedoch wurden die Immobilien-Einheitswerte, nach denen die Grundsteuer berechnet wird, seit Jahrzehnten nicht mehr angepasst.

Die Kommunen fordern daher seit Jahren eine Anpassung. Im Regierungsprogramm findet sich dazu nichts. 2024 betrug das Steueraufkommen aus der Grundsteuer B (Steuer auf Grundstücke und Gebäude von Privatpersonen und Firmen) 792 Mio. Euro.

Umstellung brächte viermal so hohe Steuereinnahmen

Im Fall einer Umstellung auf ein modifiziertes Bodenwertmodell, wie es das deutsche Bundesland Baden-Württemberg eingeführt hat, könnte ein bis zu viermal so hohes Steueraufkommen erzielt und gleichzeitig der Aufwand für die Gemeinden reduziert werden, argumentiert die Momentum-Ökonomin Barbara Schuster. Die Bewertung würde sich in dem Modell ausschließlich aus dem Bodenwert ergeben, unabhängig von den am Grundstück befindlichen Gebäuden.

Zur Berechnung würden Grundstücksfläche und Bodenrichtwert miteinander multipliziert. Besteuert würde der ermittelte Bodenwert mit einem Steuersatz von 1,3 Promille – Grundstücke, die der Wohn-oder Mischnutzung dienen, mit einem reduzierten Steuersatz von 0,91 Promille.

Insgesamt könnten Gemeinden je nach Hebesätzen, wie sie es aktuell bei der Grundsteuer gibt, den Berechnungen zufolge zusammen jährlich bis zu 2,7 Milliarden Euro zusätzlich durch die Besteuerung von Grund und Boden lukrieren.

Im Rahmen des gestern abgehaltenen Ausschusses für Menschenrechte und Volksanwaltschaft hat Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) auf Nachfrage des FPÖ-Abgeordneten Reinhold Maier die Schaffung von Wegen für zwangsweise Außerlandesbringungen in Betracht gezogen. Anlass dafür sei, dass seit dem Machtwechsel in Syrien erst 250 von 100.000 Syrerinnen und Syrern in das Land zurückgekehrt seien.

Jeder Fall müsse jedoch individuell beurteilt werden, da für unterschiedliche Bevölkerungs- und Religionsgruppen die Lage unterschiedlich sicher sei, so Karner. In den Jahren 2023 und 2024 seien insgesamt rund 160 Syrer freiwillig ausgereist.

„In wenigen Wochen“ soll ein Länderbericht zu Syrien vorgelegt werden. Man befinde sich in dieser Frage in enger Abstimmung mit den deutschen Behörden.

Karner wollte vergangene Woche gemeinsam mit der geschäftsführenden deutschen Innenministerin Nancy Faeser nach Syrien reisen. Wegen „konkreter Warnhinweise auf eine terroristische Bedrohung“ wurde die Reise aber abgebrochen. „Die mögliche Bedrohung für die Delegationen sowie die eingesetzten Sicherheitskräfte war nicht verantwortbar“, teilte das Innenministerium mit. Die Entscheidung sei von beiden Ministerien gemeinsam getroffen worden.

Ukraine-Krieg

Durch einen russischen Raketenschlag sind in der südostukrainischen Industriestadt Krywyj Rih mindestens vier Menschen getötet worden. Drei weitere wurden verletzt, teilte der Chef der örtlichen Militärverwaltung, Olexander Wilkul, gestern auf Telegram mit.

Kryvyi Rih
AP/Ukrainian Emergency Service

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj stammt aus der gut 70 Kilometer von der Frontlinie entfernten Großstadt.

Eine ballistische Rakete sei in ein Objekt der zivilen Infrastruktur eingeschlagen, es habe einen großen Brand gegeben. Weitere mehrstöckige Wohnhäuser seien in Mitleidenschaft gezogen worden. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht.

Das russische Parlament, die Staatsduma, hat ein neues Gesetzespaket gegen Kriegsgegner auf den Weg gebracht.

„Wer feige ins Ausland abgehauen ist und von dort weiter unserem Land schadet, ukrainische Nazis finanziert, die russische Armee diskreditiert und zu Verbrechen gegen Russland aufruft, muss begreifen, dass er sich dafür verantworten muss“, sagte Duma-Chef Wjatscheslaw Wolodin der offiziellen Homepage des Parlaments zufolge.

Begriff des „Auslandsagenten“ erweitert

In einem der Gesetze wird der Begriff des „Auslandsagenten“ erweitert. Dazu sollen nun etwa auch Russen erklärt werden können, die internationalen Organisationen helfen, „die gegen die Interessen Russlands“ arbeiten.

In einem zweiten Gesetz werden 20 neue Straftatbestände eingeführt, bei denen Angeklagte auch in Abwesenheit verurteilt werden können. Dazu zählen etwa die „Verbreitung von Falschmeldungen“ und „Diskreditierung der russischen Armee“.

Verschärfte Strafen

Zudem ist angedacht, auch die Strafen für Kriegsgegner zu verschärfen: Für die „eigennützige Unterstützung“ internationaler Organisationen sind sieben Jahre Haft vorgesehen, für die „Diskreditierung der Armee“ und Aufrufe zu Sanktionen gegen Russland fünf Jahre.

Auch der Vermögenseinzug soll möglich sein. Die russische Führung hat bereits nach der vor mehr als drei Jahren begonnenen Invasion der Ukraine die Gesetze gegen Kriegsgegner im eigenen Land drastisch verschärft.

Wirtschaft

Überschattet vom umstrittenen politischen Engagement des Firmenchefs Elon Musk sind die Verkaufszahlen von Tesla weltweit stärker gesunken als erwartet. Im ersten Quartal lieferte der US-Elektroautohersteller mit 336.681 Fahrzeugen 13 Prozent weniger aus als im Vorjahreszeitraum, teilte Tesla gestern mit.

Analysten hatten im Schnitt einen Rückgang um dreieinhalb Prozent erwartet. Starke Rückgänge in Europa hatten bereits auf schwächere Auslieferungszahlen hingedeutet.

Musks prominente Rolle in der Regierung von US-Präsident Donald Trump als rigoroser Bekämpfer staatlicher Bürokratie und seine Beifallsbekundungen für rechtsextreme Parteien in Europa sind Analysen zufolge ein belastender Faktor. Aber auch die veraltete Palette mit wenigen Modellen sei ein Nachteil gegenüber steigender Konkurrenz, etwa aus China.

IT

Amazon hat einem Medienbericht zufolge ein Kaufangebot für TikTok abgegeben. Der Onlineeinzelhändler habe das Gebot in Form eines Schreibens an Vizepräsident JD Vance und Handelsminister Howard Lutnick eingereicht, berichtete die Zeitung „New York Times“ gestern unter Berufung auf eine von insgesamt drei mit dem Vorgang vertrauten Personen.

Die Insider hätten erklärt, verschiedene an den Verhandlungen beteiligte Personen würden das Gebot nicht ernst nehmen. Eine Stellungnahme der genannten Personen und Unternehmen lag dazu nicht vor.

Auch Blackstone und Oracle im Gespräch

US-Präsident Donald Trump wollte früheren Medienberichten zufolge im Laufe des Tages ein Treffen im Weißen Haus zu TikTok abhalten. Als mögliche Käufer des Kurzvideodienstes waren zuletzt der Finanzinvestor Blackstone und der Tech-Konzern Oracle im Gespräch.

Der Kongress hatte wegen einer möglichen Bedrohung der nationalen Sicherheit mit großer Mehrheit ein Gesetz verabschiedet, das den chinesischen TikTok-Mutterkonzern ByteDance dazu verpflichtete, sein US-Geschäft bis zum 19. Jänner 2025 zu verkaufen. Ansonsten werde die Plattform landesweit gesperrt. Trump verlängerte diese Frist zunächst bis 5. April. Es ist unklar, ob die chinesische Regierung einen Verkauf von TikTok absegnen wird.

Chronik

In Tirol und Vorarlberg ist es heute zu Lawinenabgängen gekommen: Im Gemeindegebiet von Sölden im Bereich des Giggijochs (Tirol) ging kurz vor 11.00 Uhr eine Lawine ab. Ein Skitourengeher wurde teilverschüttet und verletzt. Der 28-jährige Deutsche wurde ins Krankenhaus Zams geflogen.

Mehr dazu in tirol.ORF.at

Bei Lawinenabgängen in Gaschurn im Montafon (Vorarlberg) wurden nach Angaben der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle zwei Personen verschüttet. Eine Person konnte unverletzt ausgegraben werden, die zweite musste ins Landeskrankenhaus Feldkirch geflogen werden.

Mehr dazu in vorarlberg.ORF.at

Bei einem Lawinenabgang in Obertauern in Salzburg wurde heute ein Freerider verschüttet. Er wurde von seinem Begleiter aus 1,30 Meter Schnee ausgegraben und blieb unverletzt.

Mehr dazu in salzburg.ORF.at

Lawinenopfer aus Kärnten erzählt

Ein Lawinenabgang im Tiroler Zillertal hat im Jänner 2024 einem 46 Jahre alten Kärntner fast das Leben gekostet. Hoimar Wotawa kämpfte sich nach Monaten intensiver Physiotherapie im Unfallkrankenhaus Klagenfurt wieder ins Leben zurück. Im ORF-Kärnten-Interview schilderte er die bangen Minuten.

Mehr dazu in kaernten.ORF.at

Umwelt & Klima

Mehr als 100 Umweltorganisationen haben heute die „zerstörerische Praxis der Öl- und Gassuche in den Meeren“ angeprangt. Sie fordern die Regierungen der Welt auf, bei der UNO-Ozeankonferenz im Juni in Nizza ein sofortiges Verbot weiterer Öl- und Gasexplorationen zu verhängen.

„Diese Aktivitäten gehören zu den intensivsten Lärmbelastungen in unseren Meeren“, teilte Nicolas Entrup von der Organisation OceanCare mit, auf deren Initiative der offene Brief zurückgeht.

Unterzeichnet wurde er von 111 Umwelt-, Klima- und Meeresschutzorganisationen (NGOs) auf sechs Kontinenten. „Sie haben schwerwiegende oder gar tödliche Auswirkungen auf die Meeresfauna, vom kleinsten Plankton bis hin zu großen Walen.“

NGOs: Meeresschutz ist Klimaschutz

Gesunde Meere seien wichtig, unter anderem weil sie einen Teil der Wärme aufnehmen, die im Zuge des Klimawandels entsteht. „Wir können den Klimanotstand nicht bewältigen, ohne den Ozean zu schützen, und wir können Meeresökosysteme nicht retten, ohne die Öl-und Gassuche mit Schallkanonen einzustellen und die Produktion fossiler Brennstoffe zu beenden“, betonte Entrup.

Europa könne dabei Vorreiter sein. Frankreich, Spanien und Portugal hätten die Suche nach neuen Öl- und Gasvorkommen bereits verboten. Dabei suchen Expeditionen etwa mithilfe von seismischen Druckluftkanonen den Meeresgrund nach Bodenschätzen ab. Solche Airguns geben kontinuierlich laute Schüsse über ein breites Frequenzspektrum ab, deren Echos Aufschluss über die Beschaffenheit des Untergrunds geben.